„Vom Götterglauben zur modernen Hypnose - Therapie“.

Einführung:

Immer wieder kommen Hilfesuchende mit ihren verschiedenen Symptomen, Beschwerden oder organischen oder psychischen Krankheitsdiagnosen in die Hypnose - Praxis, nachdem sie oft lange auf der Suche nach Heilung unterwegs waren.

Nur: der Hypnose - Therapeut befasst sich NICHT mit der Erkennung, Beseitigung oder Linderung von organischen Erkrankungen, Krankheiten, Leiden usw.

Denn ein guter Hypnose - Therapeut sieht die Menschen nicht wie ein Arzt, sondern ganzheitlich, d.h. als Körper-Seele-Geist-Wesen. Ihn interessiert viel mehr das Unterbewusstsein, die Seele des leidenden Menschen.

Denn der Hypnose - Therapeut weiß, dass die meisten Symptome, Beschwerden oder organischen oder psychischen Krankheiten ihre wahren Ursachen in der „Seele“ haben.

Das Ziel der Hypnose – Therapie ist es nun:

  • das Unterbewusstsein (die Erinnerungen von früher) des Patienten zu öffnen
  • in diesem (unsichtbaren) „Wurzelwerk“ die negativen oder belastenden Probleme, Lebenserfahrungen zu suchen
  • diese in der Hypnose möglichst wieder positiv zu verändern oder gar aufzulösen (reframen),
  • damit sich die Seele des Menschen wieder beruhigen und stabilisieren kann, was meist auch positive Wirkungen auf den Körper haben kann.

„Und sag ihm, dass der Schmerz verschwindet“.

Hypnose = Begegnung mit dem Gott des Schlafes
Hypnotische Verfahren oder Trance-Geschehen gehören vermutlich zu den ältesten psychischen Heilverfahren unserer Menschheit.
Denn „Hypnos“ war im antiken Griechenland der Gott des Schlafes. Das Wort Hypnose ist also sehr alt. Es bezieht sich auf diesen besonderen „heilenden Schlaf“, in dem die Menschen (der damaligen Zeit) dem Heil - Gott „Hypnos“ begegneten.

Vorstellbar ist, dass die Priesterärzte im Tempel „eine Begegnung“ des Erkrankten mit dem heilkräftigen Gott des Schlafes „Hypnos“ herbeiführten (hypnotischer Heilschlaf), in dem der Erkrankte dann im „Schlaf“ den Willen der Götter erfuhr – nämlich gesund zu werden. Diese Tätigkeit des damaligen Priesters und heutigen Therapeuten nennt man seither Hypnose.

Erste Hinweise schon vor über 3000 Jahren
Beweise dazu sollen Papyrusrollen mit Instruktionen für Hypnose liefen, die in Ägypten unter den Trümmern von Theben gefunden wurden und die aus der Zeit um 1500 vor Christus stammen sollen. Darin steht folgender Satz:

„Lege die Hände auf ihn, um den Schmerz der Arme zu beruhigen und sag ihm, dass der Schmerz verschwinden wird.“

Weitere Hinweise sollen sich auch bei den frühgeschichtlichen Sumerern finden, in den indischen Aufzeichnungen der Mahabharata (ca. 500 vor Christi), bei den alten Ägyptern und natürlich im Äskulapkult im antiken Griechenland (ca. 400 vor Christi). Bei den Medizinmännern und Schamanen der Naturvölker in Australien, Indien, Afrika, Südamerika usw. haben sich bis heute hypnotische Praktiken erhalten.

 

Vorstellbar ist:
Dass die Hypnose wohl die älteste Therapieform auf dieser Welt zur Behandlung seelischer Leiden und Probleme ist.

 

Hypnose und Glauben
Auch die Bibel, aber insbesondere das Neue Testament, beschreiben immer wieder (Wunder) Heilungen durch Jesus, wobei sich Jesus selbst nie als „Heiler“ dargestellt hat. Aber immer waren es seine Worte, welche diese Heilungen angestoßen haben, denn er sagt immer:

„Dein Glaube hat Dir geholfen“

…und er meint sicher damit, dass die „Kraft zur Heilung“ aus dem Unterbewusstsein / aus der Seele des Erkrankten selbst kam.

Die Nachfolger der Tempelpriester waren in unserem christlichen Abendland Priester und Mönche. Über Jahrhunderte des frühen und späten Mittelalters vollzogen auch sie so genannte Heilungen durch Gebete, geweihtes Wasser, durch Reliquien von Heiligen usw. Auch kannten sie mit Sicherheit die Fähigkeit vieler Menschen, in einen (hypnotischen) Trance – Zustand zu gehen, der manche Menschen (auch heute noch) in tiefe (religiöse) „Verzückung“ geraten lässt, (die dann spontane Heilungen oder so genannte „Dämonenaustreibungen“ bewirken kann).
Andere nutzen diese Trance-Fähigkeit, um sich dem Göttlichen näher zu bringen, was z.B. buddhistische Mönche heute noch praktizieren.

Pioniere der Hypnose

F.A. Mesmer: „Animalischer Magnetismus”
Der deutsche Arzt F.A. Mesmer, (1734 - 1815), beschrieb damals als erster in deutschsprachigen Raum, die Heilkraft der Hypnose. Nur, er führte zu seiner Zeit die Wirkung „seiner Form von Hypnose“, noch auf die „Gabe eines ganz besonderen Menschen von großer hypnotisch/suggestiver Macht über andere Menschen“ zurück, (was sich ja viele Menschen sogar heute noch so vorstellen!). Er nannte seine Form von Hypnose „Animalischen Magnetismus“, ein Begriff, der sich in der wissenschaftlichen Fachsprache nicht durchsetzte. Als Mensch der damaligen Zeit vermischte Mesmer, auf der Suche nach Erklärungen des Hypnose-Phänomens, noch mittelalterliches Wunderdenken mit dem gerade beginnenden wissenschaftlichen Denken. So ging nach seiner Überzeugung eine Art von „Magnetismus“ von einer „begnadeten und eindrucksvollen Persönlichkeit mit großer Überzeugungskraft“ aus.

Sigmund Freud
Auch Sigmund Freud, durch Mesmers Versuche inspiriert, arbeitete lange Zeit bei seinen Patientinnen mit der Technik der Hypnose. Er versuchte damit insbesondere zu den verdrängten sexuellen Wünschen und Verletztheiten seiner Patientinnen vorzudringen. Da jedoch (aufgrund fehlender Erfahrungen und Forschungen zur damaligen Zeit) die Ergebnisse seiner Arbeit auch für ihn nicht zufrieden stellend waren, widmete er sich als Folge daraus, im Wesentlichen dem Aufbau seiner Psychoanalyse.

Trotzdem dürfen F. A. Mesmer und S. Freud als die Pioniere für europäischen Hypnose angesehen werden. Sie wurden jedoch von der damaligen etablierten Medizin belächelt, verspottet und abgelehnt.

Hypnose in den USA: Anerkannte, akademische Therapieform

Milton Ericksen
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hypnose in den Universitäten der USA eingeführt und dort sehr schnell als eine weitere Möglichkeit der Psychotherapie akzeptiert. Damit konnte insbesondere den vielen körperlich oder seelisch traumatisierten Soldaten des Vietnamkrieges geholfen werden.
Ausschlaggebend dafür war der an den Rollstuhl gefesselte Arzt und Psychiater Milton Ericksen (1901- 1980), der mit seiner besonderen Art und Weise des hypnotischen Arbeitens und seinem großartigen Wirken den Einsatz der Hypnose - Therapie in Amerika förderte und revolutionierte.

1961 wurde in den USA die Hypnose als eine besondere Form der Psychotherapie von der American Medizinal Association anerkannt.
Es wurde ein Lehrstuhl für Hypnose – Forschung eingerichtet.
Hypnose - Therapie wurde (ist heute) in den USA akademische Lehrrichtung.
Zahlreiche Forschungslabors und Psychotherapieeinrichtungen befassen sich heute mit dem Einsatz der verschiedenen Zweige der Hypnose in der Therapie.

In der Zwischenzeit wird die Hypnose auch bei uns in Europa in der wissenschaftlichen Psychologie eingesetzt. Zu ihrer Unterscheidung haben sich vier verschiedene Therapierichtungen ausgebildet:

  1. die experimentelle Hypnose (Forschungen in Kliniken und Universitäten)
  2. die klinische Hypnose (Medizin, Psychologie, Psychiatrie, Zahnmedizin)
  3. die forensische Hypnose (Forschungen und Anwendung bei Gerichten)
  4. Hypnoseanwendungen im Leistungssport (Stressabbau, Leistungsaufbau)
  5. Einer der ältesten Anwendungsbereiche für Hypnose findet sich - heute mehr denn je - in Showgeschäft, Unterhaltung, Bühne usw.

Moderne Hypnose - Therapie

Hohe Faszination

 

Es hat schon eine hohe Faszination mitzuerleben, was Hypnose – als Therapie eingesetzt – bewirken kann: Durch beruhigende Worte des Therapeuten - hinter denen sich viel Wissen um die Seele des Menschen und gezielte Techniken verbergen - werden Patienten in eine Art Trance-Zustand versetzt, der dem Schlaf ähnlich ist.

Darin können sie nun einen wunderbar entspannten Zustand erleben, in dem sie ruhiger, gelassener und stressfrei werden können. In diesem schlafähnlichen Zustand kann sich nun – wie im Traum - ihr Unterbewusstsein, ihr Unbewusstes, ihre Seele öffnen.

  • Ursachen für ihre Lebensprobleme zu finden,
  • diese (wieder) zu erleben (z.B. Ereignisse und schlimme Erfahrungen aus der frühen Kindheit, Geburt usw.)
  • diese zu bearbeiten und positiv zu verändern.
  • Ja, (so wissen viele aus dem Bereich der so genannten Psychosomatik), es können sich nun durch Verändern der Psyche, auch körperlichen Beschwerden verändern oder gar auflösen.

Hypnose – Therapie ist eine sehr empathische (einfühlsame) Ganzheitstherapie, die über die Psyche sowohl auf unsere Gedanken und Gefühle, als auch auf den Körper positiv einwirken kann. Modern könnte man heute sagen:

Hypnose – Therapie: das ist Wellness für unsere Seele.

Was passiert in Hypnose?

 

  • Die Erfahrung zeigt, dass sich in der Hypnose, wie im Schlaf, die Muskulatur deutlich entspannt.
  • Auch die Herzfrequenz, die Atemfrequenz und der Blutdruck senken sich
  • Aber der Patient schläft in der Hypnose nicht.
  • Er hat - je nach Vertrauen zum Therapeuten – ein so genanntes „eingeschränktes Wachbewusstsein“ (das so ähnlich ist, wie kurz vor dem Einschlafen)
  • Deshalb empfinden viele Patienten ihren hypnotischen Zustand zwischen angenehm, entspannend, sehr entspannend bis schwebend, ja sogar beglückend usw.
  • Untersuchungen haben gezeigt, dass im Gegensatz zum Schlaf, in der Hypnose die typischen Tiefschlaf - und REM - Phasen fehlen (Schlafphasen, -ca. 5x pro Nacht - in denen rasche Augenbewegungen -Rapid Eye Movements = REM- stattfinden).
  • Auch sind im Schlaf die Körperreflexe herabgesetzt, nicht aber in der Hypnose.
  • In der Hypnose sind die Patienten sehr wohl in der Lage heftig (bis sehr heftig) emotional und körperlich zu reagieren.

Trance – Zustände sind uns angeboren Heute wissen wir, dass den meisten Menschen die Fähigkeit - in den so genannten Trance-Zustand zu gehen - sogar angeboren ist. Der Beweis:

  • Trance - Zustände kennt jeder Mensch. Man ist z.B. bei einem spannenden Film vor dem Fernsehapparat völlig vom Film gefangen, also auch hier in einer Art Trance - Zustand, (typisch für Kinder vor dem Kasperl -Theater) wenn sich die Aufmerksamkeit von der Umgebung abgeschaltet und nach innen zentriert hat.
  • Manche Menschen geraten bei längerem Fahren auf der Autobahn durch die Monotonie in einen (u. U. gefährlichen!) Trance – Zustand, (hier entstehen oft Unfälle!).
  • Naturvölker führen einen Trance - Zustand durch Trommeln und rhythmisches Tanzen herbei.
  • Im Trance – Zustand ist sogar der Körper und seine Beschwerden (z.B. Schmerzen) beeinflussbar.
  • Wirkungen durch bei Trance – Zuständen auf das Nervensystem, die Muskulatur, den Kreislauf, die Hormone und auf das Immunsystem sind heute belegt. (Naturvölker durchbohren sich z.B. im Trance-Zustand die Haut usw.)
  • Zahnärzte behandeln heute unter Trance die Zähne. Sie „schicken“ ihre Patienten in hypnotischer Trance auf eine Traumreise, während sie in der Zeit schmerzfrei bohren und die Zähne behandeln können.
  • Untersuchungen haben auch gezeigt, dass sich während der Zeit der Hypnose-Therapie sogar das Blutbild (z.B. die Schlagkraft des Immunsystems) der hypnotisierten Personen wesentlich verbessern kann

Siehe dazu das Buch von Hypnoseforscher Prof. Dr. Wal­ter Bongartz: „Der Ein­fluß von Hyp­nose und Streß auf das Blutbild“ Psy­cho­hä­ma­to­lo­gi­sche Studien, Ver­lag Peter Lang, 1996, ISBN 3-631-48401-1